Am Ende ist vielleicht sogar der liebe Gott Schuld am Gitarrenspiel des österreichischen Gitarristen: „Gott hat Humor und fand, eine Glatze und flinke Finger sind eine witzige Kombination", meint der Grazer augenzwinkernd und erinnert sich an seine Anfänge:
"Gitarre wollte ich immer schon spielen, so ab etwa fünf. Das hat mich fasziniert, auch die Lagerfeuerromantik und die Möglichkeit, mit einer Gitarre so viel Groove zu zaubern. Auch wenn ich damals noch keine Ahnung hatte, was Groove ist. Aber ich war infiziert." Zwischen neun und zwölf Jahren lernt Moro klassische Gitarre, merkt aber, dass dies nicht sein Ding ist. „Zur der Zeit war ich bereits schwer Blues-kontaminiert."
Mit 14 beginnt er, Fingerstyle zu spielen, durchlebt eine Phase des Folk und entwickelt ein Motto, das ihn bis heute trägt: „Musik muss man spüren, um sie gut spielen zu können." Und noch ein Aspekt wird wichtig: Humor: „Sologitarrenkonzerte können ganz schön mühsam sein und grob ins Technische abgleiten", sagt er. „Wenn's dazwischen immer wieder mal was zu Lachen gibt, ist das ein schönes Luftholen zwischen den Stücken."
Moro arbeitet gemeinsam mit dem deutschen Fernsehjournalisten, Filmemacher und Grimme-Preisträger Martin Buchholz, macht Musik für dessen „arte"-Dokumentationen und produziert dessen Alben .Lebensläufer' und .Alles Liebe' -Letzteres übrigens gemeinsam mit dem Gitarristen Uli Kringler. Mit ihm teilt er neben Talent und Virtuosität sein Bekenntnis zu Gott: „Jesus ist fester Bestandteil meines Lebens," sagt Moro, „nun sind wir Gitarristen auf der Bühne meist Plaudertaschen, weil wir die Umstimmpausen überbrücken müssen. Da wird dann über die Hintergründe der Stücke geplaudert - Whiskey, Frauen, Gott und die Welt - bei mir ist es eben auch dieses Thema. Es wird aber nie peinlich-fromm, ich versprech's'."
Moro, der als Einflüsse Michael Hedges („von seiner Musik habe ich vor allem das Luft lassen gelernt") sowie J.J. Cale, Mark Knopfler, Bruce Cockburn und Ry Cooder nennt, schwört: „ich klaue nur bei den Besten'." Deshalb muss man schon genau hinhören, bei seinem aktuellen Album ,Hambrug' - dessen Buchstabendreher einer Reise in die Hansestadt geschuldet ist. Feine Fingerstyle-Lieder mit wundervollen Harmonien, bluesig mit Slide akzentuiert, bestimmen ein in sich stimmiges Gesamtwerk, das einen versierten Gitarristen mit Erfahrung, Stil und überragender Musikalität zeigt.
Seinen erstaunlich guten Sound schuldet er einer Taylor 615. „Von ihr hab ich viel über leise Töne gelernt", sagt er, und nutzt sie auch für sein Slide-Spiel in Stücken wie .Murray'. Dazu kommen eine Larrivee D-09 für Uptempo-Nummern wie im Opener ,108', eine kanadische Fergusson mit handgemachter Zederndecke, eine Martin D-19(.Florians Traum') eine National Delphi („der Klassiker unter den Resonatorteilen"), eine Dobro Woodbody Spidercone, eine handgebaute Mandoline von Richard Jenner sowie einige E-Gitarren aus dem Hause Daneelectro für die Kolorierungen seiner Stücke. „Ich spiele mit Plastik-Daumenpicks, meist mit Metall-Fingerpicks und spiele, speziell bei Bluesstücken, mit dem Daumen gerne mal Muted-Bass, und verwende das bewusste Einsetzen oder Weglassen dieser Technik als Dynamikelement. Ich mag Hammerings und Pull-Offs und bin verrückt nach Open Tunings." Das sollte genug Appetit machen auf ein großartiges Akustikalbum eines talentierten und sympathischen Musikers.
CD: Martin Moro - Hambrug (Wunderland)
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